Gaming Zielgruppe Jugendliche

Die pathologische Computer- und Internetnutzung ist besonders für Jugendliche gefährlich, weil sich diese Personengruppe in einer anspruchsvollen und oftmals schwierigen Entwicklungsphase (Adoleszenzkrise) befindet.

Weitere Gründe, warum dies besonders für Jugendliche gefährlich ist:

  • Identitätsentwicklung: Jugendliche können über die Spielgemeinschaft bzw. den Kontakt zu anderen im Internet Orientierung und Unterstützung in ihrer Identitätsentwicklung erhalten. Sie erproben in der virtuellen Welt Nähe und Distanz in Beziehungen zu anderen, treffen Entscheidungen und lösen zwischenmenschliche Konflikte.
  • Kompensation negativer Gefühle: In der virtuellen Welt der Online-Rollenspiele können Jugendliche Gefühle von Abhängigkeit und Reglementierung durch die Welt der Erwachsenen kompensieren. Durch die Übernahme machtvoller virtueller Identitäten (Char/Avatar) können sie eigene Größe präsentieren.
  • Bewältigungsstrategie: Der Übergang zur pathologischen Nutzung ist dann gegeben, wenn das Online-Spiel als Bewältigungsstrategie bzw. Ausweichmöglichkeit genutzt wird, um Ängste und Probleme in der realen Welt nicht angehen zu müssen. Reale Sozialkontakte werden vermieden, und die Angst vor realen Beziehungen wird durch virtuelle Kontakte scheinbar kompensiert.
  • Wettbewerb und Gruppendruck: Der Wettbewerb sowie der Gruppendruck durch die virtuelle Gemeinschaft verstärken das Problemverhalten.
  • Belohnungen und Flow-Erlebnis: Regelmäßige und intermittierende Belohnungen im Spiel sowie das erlebte Flow-Erlebnis wirken aufrechterhaltend. Der Spieler fühlt sich optimal beansprucht und hat das Gefühl, das Geschehen unter Kontrolle zu haben, was die Flucht in virtuelle Welten verstärkt.
  • Entwicklung sozialer Beziehungen: Wenn die Bindung an den Computer und die virtuelle Gemeinschaft aufgrund mangelnder sozialer Beziehungen in Familie und Schule sehr früh in der Entwicklung der Adoleszenz beginnt, kann dieses Medium den Platz einer verlässlichen Instanz einnehmen.

Gaming kann eine coole Sache sein, aber wann wird es zu viel?

Es gibt ein paar wichtige Punkte, an denen du erkennst, ob dein Gaming-Verhalten vielleicht nicht mehr im grünen Bereich ist:

  • Wenn Zocken wichtiger wird als alles andere: Stell dir vor, du denkst schon im Unterricht an die nächste Runde "Fortnite“ oder was du gerade gerne spielst. Du sagst Verabredungen mit Freunden ab, weil du lieber zockst. Sogar wichtige Dinge wie Schule, Ausbildung oder Job leiden darunter. Das ist ein Warnsignal.
  • Du verlierst die Kontrolle: Du nimmst dir vor, nur eine Stunde zu spielen, aber dann werden es doch fünf? Oder du zockst bis spät in die Nacht, obwohl du am nächsten Tag fit sein musst? Wenn du dich nicht mehr ans Aufhören halten kannst, ist das ein Problem.
  • Negative Folgen ignorierst du: Deine Noten werden schlechter, du streitest oft mit deinen Eltern, oder du fühlst dich müde und ausgelaugt. Trotzdem zockst du weiter und nimmst die Probleme in Kauf.
  • Du lügst oder verheimlichst: Du erzählst deinen Eltern nicht, wie lange du wirklich spielst, oder du spielst heimlich, wenn sie es dir verboten haben. Das ist ein Zeichen, dass du selbst weißt, dass es nicht okay ist.
  • Entzugserscheinungen: Wenn du mal nicht spielen kannst, wirst du schlecht gelaunt, unruhig oder sogar aggressiv. Das zeigt, dass dein Körper und dein Geist schon zu sehr daran gewöhnt sind.
  • Gaming als Flucht: Du spielst, um dich von Problemen, Stress oder schlechten Gefühlen abzulenken. Klar, jeder braucht mal eine Auszeit, aber wenn Gaming zur einzigen Lösung wird, ist das riskant.
  • Körperliche Folgen: Du vernachlässigst deine Körperpflege, isst ungesund oder bewegst dich kaum noch. Auch das sind Alarmsignale.
  • Schule leidet: Du kommst unausgeschlafen zum Unterricht, fehlst öfter oder deine Noten verschlechtern sich.
  • Soziale Kontakte leiden: Du triffst dich immer seltener mit Freunden im echten Leben und hast nur noch online Kontakte.
  • Geldprobleme: Du gibst viel Geld für In-Game-Käufe oder Lootboxen aus und verlierst den Überblick.

Beispiele:

  • Thomas, ein 14-Jähriger, spielt 8–15 Stunden am Tag, zieht sich in sein Zimmer zurück, nimmt und hat andere Aktivitäten aufgegeben. Seine Mutter macht sich große Sorgen, weil er nicht darüber reden möchte und seine schulischen Leistungen schlechter werden.
  • Wenn du mehr Zeit in virtuellen Welten verbringst als mit realen Freunden, kann das problematisch sein. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu finden.

Was kannst du tun?

  • Sei ehrlich zu dir selbst: Erkennst du dich in einigen dieser Punkte wieder? Dann ist es Zeit, etwas zu ändern.
  • Sprich mit jemandem: Rede mit deinen Eltern, Freunden oder einem Lehrer über deine Sorgen.
  • Setz dir Grenzen: Lege feste Zeiten für das Gaming fest und halte dich daran.
  • Finde Alternativen: Such dir andere Hobbys, triff dich mit Freunden oder mach Sport.
  • Hol dir Hilfe: Wenn du es alleine nicht schaffst, gibt es Beratungsstellen und Therapeuten, die dir helfen können.

Denk daran, Gaming soll Spaß machen, aber nicht dein Leben bestimmen. Wenn du das Gefühl hast, dass es zu viel wird, suche dir Unterstützung.